Audio-Mitschnitte: Veranstaltungsreihe »Transformatorische Praxis«

Christian Siefkes: "Keimformen des Neuen - Wie eine nichtkapitalistische Re/Produktionsweise in die Welt kommen und wie sie aussehen könnte"

vom 19.03.2015

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Der Kapitalismus reformiert und verändert sich ständig, bleibt sich dabei aber immer treu: Ziel allen kapitalistischen Wirtschaftens ist der Profit. Eine nichtkapitalistische Re/Produktionsweise muss ein anderes Ziel haben. Produziert wird hier, um Bedürfnisse zu befriedigen, wobei die Bedürfnisse aller gleichermaßen ernst genommen werden.

Eine veränderte gesellschaftliche Zielsetzung bliebe aber leere Rhetorik, wenn sich die dafür eingesetzten Mittel nicht ebenfalls ändern. Wie sich eine postkapitalistische Gesellschaft reproduzieren wird, lässt sich nicht genau vorhersagen, da verschiedene Varianten denkbar sind. Klar ist aber, dass an die Stelle kompetitiver Märkte (die die kapitalistische Logik in sich tragen) eine selbstorganisierte Kooperation auf Augenhöhe treten muss, bei der sich niemand unterwerfen oder verkaufen muss.

Die neue Logik kann nicht auf einen Schlag vom Himmel fallen, sie muss innerhalb des Kapitalismus entstehen, um diesen eines Tages ablösen zu können. Der Keimform-Ansatz fragt danach, wo sich die mögliche neue Logik heute schon zeigt und wie sie sich verbreiten kann.


Ernst Lohoff: „Die Abwicklung des Kapitalismus – Emanzipation im Krisenzeitalter“

vom 29.01.2015

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Nicht nur der Kapitalismus steckt heute in einer fundamentalen Krise, sondern auch der Gedanke der Befreiung. Das neoliberale Glücksversprechen, das Ende des 20. Jahrhunderts noch das gesellschaftliche Klima prägte, hat sich zwar gründlich blamiert, das kommt aber in erster Linie reaktionäre Kräfte, die rassistische, kulturalistische oder religionistisch Neogemeinschaftsideologien propagieren. Gerade angesichts der Krise durchdringt der Zwangs als isoliertes Konkurrenzsubjekt funktionieren zu müssen, das Alltagsleben mehr denn je und droht jede kollektiven emanzipatorische Praxis schon im Ansatz zu ersticken. Die aus der Aufstiegsgeschichte der Warengesellschaft überkommenen Befreiungskonzepte, etwa das Klassenkampfdenken, taugen nicht für die historischen Aufgaben, vor denen eine antikapitalistische Bewegung heute steht. Sie liefern weder eine Antwort auf die Vielfachkrise des kapitalistischen Weltsystems noch bieten sie Orientierung im notwendigen Kampf um vom Konkurrenzirrsinn befreite Räume.

Hätte es noch eines Beweises bedurft, warum das emanzipative Ziel dringend neu bestimmt werden muss, der Protestzyklus, der nach dem Krisenschub 2009 viele Länder erfasste, hat ihn geliefert. Ob „arabischer Frühling“, oder die Protestbewegungen in Griechenland und der Ukraine, überall die gleiche ernüchternde Verlaufsform. Angesichts massiver Verschlechterung der Lebensbedingungen und angesichts einer autoritärer Krisenverwaltung flammten heftige Proteste auf, die aber wieder in sich zusammenfallen und in denen oft reaktionäre Strömungen die Oberhand gewinnen. Der emanzipative Impuls verpufft, weil die Protestbewegungen nicht darüber hinauskommen, Lösungen auf dem zerfallenden Boden von Wert, Arbeit und staatlicher Regulation zu suchen.

Zunächst einmal hat die Leitfrage der Aufstiegsphase des warenproduzierenden Weltsystems, die Frage der Verfügungsgewalt über den Warenreichtum und dessen Verteilung ausgedient. Der Standpunkt der Emanzipation ist heute vielmehr mit der Standpunkt der Parteinahme für den sinnlich-stofflichen Reichtums gegen dessen Zwangsverwandlung in Warenreichtum. Unter diesem Vorzeichen geführt, verschmelzen der Kampf gegen die ökologische Zerstörung und der Kampf gegen wirtschaftliche Verelendung, die heute in Widerspruch zueinander zu stehen scheinen, zu einem Kampf. Und auch die Frage des Verhältnisses von Emanzipation auf der einen Seite und Politik und Staatlichkeit auf der anderen Seite ist neu zu denken. Das Zeitalter des Staates als „ideellen Gesamtkapitalisten“, der zugleich die Existenzbedingungen der Menschen sichert, ist längst im Auslaufen begriffen. Im Krisenzeitalter verschmelzen entweder Staat und Wirtschaft zu einem politisch-ökonomischen Komplex, der nur das Überleben von Verwertungsinseln organisiert oder es kommt zu einer emanzipativen Rücknahme des Staates in die Gesellschaft.


Alex Demirovic: "Zur Aktualität der Transformation"

vom 13.01.2015

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Neben Reform und Revolution hat die Linke ein weiteres Grundlagenkonzept, das Veränderungsprozesse in den Blick nimmt: Transformation. Dieser Begriff ist bislang noch zu wenig durchdacht. Angesichts der multiplen Krise, die seit 2008 von einer großen

Wirtschafts- und Finanzkrise bestimmt und überformt wird, stellt sich die Frage nach den Möglichkeiten nach Veränderungen, die hier und jetzt eingreifen, aber die Probleme, die sich krisenhaft in der kapitalistischen Gesellschaft immer weiter anhäufen, auch lösen.


Daniel (Gruppe FelS): "Anti-Macht, Gegenmacht, konstituierende Macht?"

vom 8.01.2015

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Das Aufkommen des neuen globalen Bewegungszyklus seit 2011, die damit verbundenen Kämpfe und (Nicht-)Verschiebungen der Kräfteverhältnisse haben den strategischen Debatten innerhalb der radikalen Linken einen neuen Impuls verliehen und lassen zugleich die Notwendigkeit erkennen, bisherige Konzepte gesellschaftlicher Transformation neu zu überdenken. Hatte der zapatistisch und aus den argentinischen Erfahrungen Anfang des 21. Jahrhunderts inspirierte Slogan „Die Welt verändern, ohne die Macht zu übernehmen“ (John Holloway) in der globalisierungskritischen „Bewegung der Bewegungen“ eine gewisse Popularität erlangt, so ist dieses Paradigma auf die jüngsten europäischen und us-amerikanischen Erfahrung kaum plausibel übertrag- und anwendbar. Das Problem scheint hier vielmehr das Abprallen der Bewegungen an den Institutionen zu sein, die sich gegen die popularen Bewegungen abschotten und ihren Einfluss blockieren. Vor diesem Hintergrund ist die Entstehung der Partei Podemos zu interpretieren, die ihre Strategie auf einen neuen konstituierenden Prozess ausrichtet. - Wie lassen sich die verschiedenen Konzepte der Anti-Macht, Gegenmacht und konstituierenden Macht zueinander in Verbindung setzen? Worin unterscheiden sie sich signifikant und worin besteht ihre strategische Differenz? Und: Inwiefern helfen sie uns, die gesellschaftlichen Prozesse und ihre transformatorischen Potenziale im gegenwärtigen Zeitalter der Aufstände zu erfassen und einzuschätzen?


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Erschienen am: 22.04.2015 zuletzt aktualisiert: 28.04.2015 23:12 AutorIn: email-address